86 Prozent der Phishing-Mails sind inzwischen KI-generiert
Nach aktuellen Auswertungen werden mittlerweile rund 86 Prozent aller Phishing-Angriffe mit KI-Unterstützung erstellt. Auffällig ist dabei nicht nur die schiere Menge, sondern die Qualität: KI-generierte Nachrichten erzielen laut Analysen Klickraten von etwa 54 Prozent – gegenüber rund 12 Prozent bei klassischen, manuell verfassten Phishing-Mails. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat die Entwicklung öffentlich als "neue Ära" der Bedrohungslage bezeichnet, in der Angriffe häufiger und zugleich schneller personalisiert werden.
Der Grund liegt in der Arbeitsweise moderner Sprachmodelle: Sie erzeugen sprachlich konsistente, grammatikalisch korrekte Texte, die sich an Kontext, Anrede und Tonfall der jeweiligen Organisation anpassen. Genau die Merkmale, an denen Mitarbeitende Phishing bislang erkannt haben, fallen damit weg.
Microsoft-365-Konten stehen besonders im Visier
Ein wiederkehrendes Muster aktueller Kampagnen: Ziel ist primär der Zugriff auf Microsoft-365-Konten. Angreifer kombinieren dabei mehrere Kanäle gezielt. Eine dokumentierte Gruppe kontaktiert Mitarbeitende zusätzlich telefonisch (Vishing), um Zugangsdaten für Microsoft 365 oder andere Cloud-Dienste zu erbeuten – oft im Anschluss an eine vorbereitende Phishing-Mail. Für Unternehmen mit M365-Umgebung ist das relevant, weil ein kompromittiertes Konto direkten Zugriff auf E-Mails, Dateien und Teams-Chats ermöglicht.
Zusätzlich missbrauchen Angreifer zunehmend legitime Cloud-Dienste als Hosting-Infrastruktur für Phishing-Seiten – etwa Cloudflare Workers, Vercel, Netlify oder GitHub Pages. Das erschwert die Erkennung zusätzlich, da diese Domains bei klassischen Reputationsfiltern nicht auffallen.
Warum klassische Filter nicht mehr ausreichen
Sprachliche Perfektion
Keine Tippfehler, keine holprige Grammatik – KI-Texte lesen sich wie von einem Muttersprachler verfasst.
Kontextbezug
Nachrichten nehmen Bezug auf reale Projekte, Kollegen oder Vorgänge – oft aus öffentlich zugänglichen Quellen recherchiert.
Multi-Kanal-Angriffe
E-Mail, Vishing und gefälschte Kalendereinladungen werden kombiniert, um einzelne Filter zu umgehen.
Legitime Infrastruktur
Phishing-Seiten laufen über bekannte Cloud-Anbieter und wirken dadurch vertrauenswürdig.
Praxisbeispiel aus der Region
Eine Arztpraxis im Main-Tauber-Kreis erhielt eine augenscheinlich von Microsoft stammende Mail mit Hinweis auf ein angeblich auslaufendes Passwort, gefolgt von einem Anruf eines vermeintlichen "IT-Supports", der die Mitarbeiterin zur Eingabe der Zugangsdaten auf einer gefälschten Seite anleitete. Erst die Rückfrage bei der internen IT verhinderte den Zugriff auf das M365-Konto der Praxis. Solche kombinierten Angriffe lassen sich kaum durch Wachsamkeit allein abwehren – technische Absicherung ist notwendig.
Schutzmaßnahmen, die 2026 tatsächlich wirken
Mehrstufige technische Kontrollen
E-Mail-Gateway, Browserschutz und Identitätsschutz zusammen einsetzen statt isoliert zu betrachten.
Realistisches Awareness-Training
Schulungen müssen sich an KI-generierten Beispielen orientieren, nicht mehr an klassischen Fehlern.
Rückrufe über bekannte Nummern verifizieren
Bei Anrufen mit Bezug zu IT-Support oder Kontoproblemen grundsätzlich über eine bekannte, verifizierte Nummer zurückrufen.
Phishing-resistente Anmeldung
Multi-Faktor-Authentifizierung mit Phishing-Schutz statt reiner SMS- oder App-Codes einsetzen.
Wichtig: Weil Vishing-Anrufe und gefälschte Kalendereinladungen zunehmend E-Mail-Filter umgehen, reicht ein reiner Spam-Filter 2026 nicht mehr aus. Schutz muss auf mehreren Ebenen gleichzeitig ansetzen.
Was das für KMU und Arztpraxen in Baden-Württemberg bedeutet
Gerade kleinere Unternehmen und Praxen ohne eigene IT-Sicherheitsabteilung unterschätzen häufig, wie zielgerichtet KI-Phishing inzwischen abläuft. CoKom GmbH unterstützt Kunden in Wertheim und Umgebung dabei, E-Mail-Sicherheit, Identitätsschutz und Mitarbeiterschulung als Gesamtpaket aufzustellen – mehr dazu unter unseren IT-Sicherheitsleistungen. Für Arztpraxen, die zusätzlich sensible Patientendaten schützen müssen, gelten dabei besonders strenge Anforderungen, siehe IT für Arztpraxen.
Fazit
KI-Phishing 2026 ist kein Randphänomen mehr, sondern der Normalfall. Mit rund 86 Prozent KI-generierten Angriffen und gezielten Kampagnen gegen Microsoft-365-Konten reicht Wachsamkeit allein nicht mehr aus. Unternehmen in Wertheim und der Region Main-Tauber sollten technische Schutzmaßnahmen, Identitätssicherheit und praxisnahe Schulung kombinieren. CoKom GmbH berät KMU und Arztpraxen in Baden-Württemberg dabei individuell – jetzt Kontakt aufnehmen.
