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EU AI Act Transparenzpflicht: Das gilt seit August 2026
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EU AI Act Transparenzpflicht: Das gilt seit August 2026

Daniel Frenzel
Daniel Frenzel
6 Min. Lesezeit
Seit dem 2. August 2026 greift die EU AI Act Transparenzpflicht nach Artikel 50 – und viele Unternehmen in Wertheim und der Region Main-Tauber wissen nicht genau, was das für ihren Arbeitsalltag bedeutet. Parallel ist mit dem deutschen KI-MIG eine neue nationale Aufsichtsstruktur entstanden. Dieser Beitrag ordnet ein, was jetzt konkret zu tun ist.

Was die EU AI Act Transparenzpflicht konkret verlangt

Artikel 50 der KI-Verordnung schreibt vor, dass bestimmte KI-generierte oder KI-manipulierte Inhalte als solche gekennzeichnet werden müssen. Betroffen sind insbesondere Deepfakes, Chatbots im Kundenkontakt, synthetisch erzeugte Sprache sowie KI-generierte Texte zu Themen von öffentlichem Interesse. Ziel der Regelung ist es, Transparenz herzustellen und Desinformation vorzubeugen.

Für bereits im Einsatz befindliche Systeme gilt eine Übergangsfrist bis zum 2. Dezember 2026. Neue Systeme müssen die Kennzeichnungspflicht bereits seit August 2026 erfüllen. Für Unternehmen in Baden-Württemberg heißt das: Wer jetzt einen KI-Chatbot auf der eigenen Website plant oder erst kürzlich eingeführt hat, sollte die Kennzeichnung von Anfang an mitdenken.

Doppelte Zuständigkeit: EU AI Act und deutsches KI-MIG

Kurz vor dem europäischen Stichtag ist in Deutschland das KI-Marktüberwachungs- und Innovationsförderungsgesetz (KI-MIG) in Kraft getreten. Es bestimmt die Bundesnetzagentur als zentrale nationale Aufsichtsbehörde für KI-Systeme. Die Behörde übernimmt drei Aufgaben: die Marktüberwachung in bislang unregulierten Bereichen wie Personalmanagement, kritischer Infrastruktur und Bildung, die Funktion als zentrale Anlaufstelle für Unternehmen und Behörden sowie die Bearbeitung von Beschwerden aus der Bevölkerung.

Für kleinere Unternehmen hat die Bundesnetzagentur zwei Unterstützungsangebote aufgebaut: das KI-Reallabor als geschützten Testraum für die Entwicklung und Prüfung von KI-Anwendungen, und den KI Service Desk mit Einstufungshilfen, europäischen Leitfäden und Orientierungsangeboten. Wichtig für Praxen und Kanzleien: Andere Zuständigkeiten bleiben bestehen – die BaFin für den Finanzsektor, die Landesmedienanstalten für Medienfragen und die Datenschutzbehörden für den Datenschutz.

Muss jede KI-generierte E-Mail gekennzeichnet werden?

Nein – und genau hier entstehen die meisten Missverständnisse. Die Kennzeichnungspflicht zielt auf Inhalte, die für Dritte sichtbar oder relevant sind und bei denen Transparenz über die KI-Urheberschaft notwendig ist: öffentlich zugängliche Chatbot-Interaktionen, synthetische Stimmen in Telefonsystemen, Deepfake-Bilder oder -Videos sowie KI-Texte zu Themen von öffentlichem Interesse. Eine intern verfasste E-Mail, bei der ein Mitarbeiter lediglich KI-gestützte Rechtschreibkorrektur oder Formulierungshilfe nutzt, fällt in aller Regel nicht darunter. Entscheidend ist immer der Kontext: Wird nach außen kommuniziert, und könnte beim Empfänger der Eindruck entstehen, mit einem Menschen zu interagieren, obwohl das nicht der Fall ist?

Praxisbeispiel: Eine Zahnarztpraxis in der Region Main-Tauber setzt einen KI-Chatbot zur Terminvergabe auf der eigenen Website ein. Dieser Chatbot muss künftig klar als KI-System erkennbar sein – ein einfacher Hinweis im Chatfenster reicht in der Regel aus. Wird dagegen nur intern ein KI-Tool zur Diktat-Verschriftlichung genutzt, besteht keine Kennzeichnungspflicht gegenüber Patienten.

KI-Kompetenzpflicht: Schon seit Februar 2025 in Kraft

Neben der Transparenzpflicht nach Artikel 50 gilt bereits seit Februar 2025 die KI-Kompetenzpflicht nach Artikel 4 des EU AI Act. Sie verpflichtet Unternehmen, die KI-Systeme einsetzen, für ausreichende KI-Kompetenz beim eigenen Personal zu sorgen. Wer in der IT-Infrastruktur oder im Kundenkontakt mit KI arbeitet, muss die Funktionsweise, Chancen und Risiken der eingesetzten Systeme nachvollziehen können. Für viele KMU in Wertheim bedeutet das: eine kurze interne Schulung oder Handreichung reicht oft aus, sie sollte aber dokumentiert sein.

Bußgelder bei Verstößen

Art des VerstoßesBußgeldrahmen
Verstoß gegen Transparenzpflichten (Art. 50)bis 15 Mio. Euro oder 3 % des weltweiten Jahresumsatzes
Verstoß gegen verbotene Praktikenbis 35 Mio. Euro oder 7 % des weltweiten Jahresumsatzes

Für die meisten KMU und Praxen ist der niedrigere Bußgeldrahmen relevant, da echte verbotene Praktiken selten vorkommen. Trotzdem lohnt sich eine kurze Bestandsaufnahme, welche KI-Systeme im eigenen Betrieb überhaupt im Einsatz sind.

Checkliste: So gehen Sie die EU AI Act Transparenzpflicht strukturiert an

1

KI-Systeme inventarisieren

Erfassen Sie, wo im Unternehmen KI eingesetzt wird – von Chatbots über Textgeneratoren bis zu automatisierten Telefonsystemen.

2

Kennzeichnungspflicht prüfen

Klären Sie pro System, ob es unter Artikel 50 fällt – entscheidend ist der Außenkontakt, nicht die reine Nutzung von KI.

3

Kennzeichnung technisch umsetzen

Bauen Sie sichtbare Hinweise in Chatbots, automatisierte Anrufsysteme oder KI-generierte Inhalte ein.

4

KI-Kompetenz dokumentieren

Halten Sie fest, welche Mitarbeiter geschult wurden und wie die KI-Kompetenzpflicht nach Artikel 4 erfüllt wird.

5

Ansprechpartner benennen

Bestimmen Sie intern, wer bei Rückfragen der Bundesnetzagentur oder von Kunden zuständig ist.

Betroffene Anwendungsfälle in KMU und Praxen

In der Praxis betrifft die EU AI Act Transparenzpflicht vor allem drei Anwendungsfälle, die auch in kleineren Unternehmen in Wertheim und Umgebung immer häufiger vorkommen. Erstens: Chatbots und virtuelle Assistenten auf Websites, die mit Kunden oder Patienten kommunizieren. Zweitens: automatisierte Telefonsysteme mit synthetischer Sprachausgabe, etwa bei der Terminvergabe oder in der telefonischen Warteschleife. Drittens: KI-generierte Bilder, Videos oder Texte, die öffentlich veröffentlicht werden, etwa in Marketingmaterial oder auf Social-Media-Kanälen.

Nicht betroffen sind in der Regel interne Arbeitshilfen: KI-gestützte Rechtschreibprüfung, automatisierte Übersetzung interner Dokumente oder KI-Unterstützung bei der Code-Erstellung. Der Unterschied liegt darin, ob eine außenstehende Person mit dem Ergebnis in Kontakt kommt und dabei über den KI-Ursprung im Unklaren gelassen würde. Diese Unterscheidung sollten Geschäftsführer und Büroleiter kennen, bevor sie pauschal jede KI-Nutzung im Betrieb kennzeichnen – das wäre weder gefordert noch sinnvoll.

Häufige Fragen zur EU AI Act Transparenzpflicht

Gilt die Pflicht auch für kleine Betriebe ohne eigene IT-Abteilung? Ja, die Unternehmensgröße spielt für die Anwendbarkeit von Artikel 50 keine Rolle. Entscheidend ist, ob ein entsprechendes KI-System eingesetzt wird – unabhängig davon, ob es sich um ein Zwei-Personen-Büro oder ein mittelständisches Unternehmen mit hundert Mitarbeitenden handelt.

Reicht ein einmaliger Hinweis im Impressum aus? Nein. Die Kennzeichnung muss dort erfolgen, wo der Kontakt mit dem KI-System tatsächlich stattfindet, etwa direkt im Chatfenster oder zu Beginn eines automatisierten Anrufs – nicht versteckt an anderer Stelle der Website.

Was passiert, wenn ein bestehendes System die Übergangsfrist verstreichen lässt? Nach dem 2. Dezember 2026 drohen dieselben Bußgelder wie bei neu eingeführten Systemen ohne Kennzeichnung. Es lohnt sich daher, die Umsetzung nicht bis zum letzten Moment aufzuschieben.

Wo CoKom GmbH unterstützt

Bestandsaufnahme

Wir erfassen gemeinsam mit Ihnen, welche KI-gestützten Systeme in Ihrer IT-Infrastruktur laufen.

Technische Umsetzung

Von Chatbot-Hinweisen bis zur Dokumentation binden wir die Kennzeichnung in Ihre bestehenden Systeme ein.

Beratung für Praxen

Arztpraxen und Kanzleien erhalten praxisnahe Einschätzungen, ohne juristischen Fachjargon.

Laufende Betreuung

Über unsere IT-Betreuung behalten wir regulatorische Änderungen für Sie im Blick.

Gerade für Arztpraxen im Main-Tauber-Kreis, die zunehmend digitale Terminsysteme nutzen, lohnt sich ein Blick auf unsere Medizin-IT-Lösungen, in denen Compliance-Anforderungen von Anfang an mitgedacht werden. Mehr zu unserem Team und unserer Herangehensweise finden Sie unter über uns.

Fazit: EU AI Act Transparenzpflicht ernst nehmen, aber nicht überschätzen

Die EU AI Act Transparenzpflicht betrifft nicht jede E-Mail, aber jeden sichtbaren KI-Einsatz gegenüber Kunden und Patienten. Unternehmen in Wertheim, im Main-Tauber-Kreis und ganz Baden-Württemberg sollten jetzt prüfen, welche Systeme betroffen sind, bevor die Übergangsfrist im Dezember 2026 endet. CoKom GmbH unterstützt Sie dabei, von der Bestandsaufnahme bis zur technischen Umsetzung. Sprechen Sie uns über unsere Leistungen an.

Daniel Frenzel

Daniel Frenzel

IT-Administration, Vertrieb und Support aus einer Hand – und das seit 2016. Ich sorge dafür, dass die Technik läuft und die Kundenbindung stimmt. Erfahrung trifft auf Leidenschaft

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